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ZUG UM ZUG ZUM GLEICHGEWICHT
Spieltheorie

 

Von Jiefu Liu

 

Kennst du das Spiel mit den schwarz-weissen Blöcken als Spielfeld und den verschiedenförmigen Figuren mit jeweils unterschiedlichen Funktionen? Die einen Figuren an der Front dürfen pro Zug nur maximal zwei Felder nach vorne ziehen, weil sie sonst als Desateure gelten, während sich die anderen frei vertikal und horizontal bewegen können. Ich spreche jetzt gerade von Schach, einem populären Spiel von Jugendlichen bis Senior: innen. Das Ziel ist einfach: Schachmatt! Doch so einfach macht es dir dein dein:e Gegner:in nicht. Während des Spiels analysierst du die möglichen Züge deiner Figuren und versuchst, den nächsten Schritt deines Gegners vorauszusagen.

«Ich weiss ja, wie Schach funktioniert. Wieso erklärst du mir das im Detail und was soll das Ganze?»

Naja, denk doch einmal um die Ecke und schau dir unsere Welt an. In vielen Beispielen aus dem Alltag findest du Spuren desselben Prinzips, das ich dir gerade erläutert habe. Genau mit solchen Situationen beschäftigt sich die Spieltheorie. Sie untersucht und prognostiziert das Wettbewerbsverhalten von Preisentscheidungen oder Verhandlungen, wobei die Entscheidung des Spielers entweder zum Verlust oder Gewinn führen können. Ein wichtiges Beispiel dafür findet sich in den Supermärkten.

Ist es dir schon aufgefallen, dass dasselbe Produkt in einem Supermarkt teuer sein kann als in einem anderen? Eigentlich sollen die Preise ja gleichbleiben. Dahinter steckt ein Konkurrenzkampf in der Supermarktbranche.

Bevor wir uns dem Mechanismus des Preiskampfs widmen, muss ich festhalten: Es herrschen auch bei einem solchen Preiskampf wie im Schach bestimmte Regeln. Gemäss dem Schweizer Bundesgesetz sind Preisabsprachen zwischen Supermärkten strafbar, da sie damit den Konsumentenschutz verletzen würden. Man verhindert somit zum Beispiel extrem hohe Preise für ein Produkt in allen Supermärkten. 

Stell dir vor, du könntest in der Schweiz eine Dose Mate nur für 15 Franken kaufen. In Ausnahmefällen kann der Staat eingreifen und Höchst- oder Mindestpreise für ein Produkt festsetzen. Dies geschieht beispielweise, um die Landwirtschaft oder bestimmte Branchen zu schützen. Der Staat setzt seine Macht aber nur in den Ausnahmefällen ein.

Angenommen avec senkt den Preis für ein Mate-Getränk, sodass eine Preisdifferenz zwischen avec und den anderen Supermärkten entsteht. In der Folge senken die meisten anderen Supermärkte ebenfalls den Preis, damit die Schüler:innen des LG Rämibühl nicht nur bei avec einkaufen. In der Fachsprache nennt man dies Nash-Gleichgewicht. Dieser Preisausgleich begünstigt alle Supermärkte und verhindert grosse Verluste.

Trifft aber die Mensa Rämibühl eine falsche Entscheidung und das Nash-Gleichgewicht kommt nicht zu Stande, entsteht auf seiner Seite ein Verlust. Nach der Preissenkung von avec entscheidet sich die Mensa für eine Preiserhöhung. Das Produkt, eine Dose Mate, wird weniger oder gar nicht gekauft, und es entstehen Verluste. Schach für die Mensa.

Die Mensa muss also eine kluge Entscheidung treffen. Existiert keine gewinnbringende Option mehr, ist eine Niederlage nicht mehr vermeidbar.

Schachmatt!

 


 

Jiefu Liu  ist Schüler der Klasse 4i und Teil der Redaktion LGazette (SJ 25/26).