INFO
 

ZWISCHEN FREUDE UND ÜBERLEBEN
Die doppelte Bedeutung des Spiels

 

Von Jiefu Liu

 

Egal ob Videospiele, Brettspiele oder auch generell Sportarten: Sie alle sind Ausdruck des Spielens. Dabei wird bei allem Dopamin ausgeschüttet und als Resultat freuen wir uns während und nach dem Spielen. Für uns Menschen steht beim Spielen meist der Spass im Vordergrund.

Doch wie ist das bei Tieren? Hunde und Katzen spielen meist mit Bällen, aber meines Wissens spielen Krokodile kein Schach, und von Videospielen auf dem Handy muss man gar nicht sprechen. 

In diesem Text möchte ich das Spielverhalten von Tieren genauer unter die Lupe nehmen. Um einen besseren Einblick in das Spielverhalten der Tiere zu gewinnen, habe ich ein Gespräch mit Frau Bogdanova geführt. Sie arbeitet zurzeit an den Rämibühlschulen und hat ihre Masterarbeit über das Spielverhalten bei Hunden geschrieben.

Wie ein Tier spiele, hänge einfacher gesagt von seiner «Hirngrösse» ab, meint Frau Bogdanova. Ich bin verwirrt, du vielleicht auch. Denn das bedeutet doch eigentlich, dass Wale schlauer als Menschen sind, oder? 

Letztlich geht es um die Neuronendichte des Gehirns, nicht um das Volumen. Man kann die Neuronendichte des Gehirns als Referenz nehmen und damit eine Hierarchie aufstellen. Im Groben gibt es drei Spielstufen: 

Beispielsweise springt ein Fohlen grundlos durch die Wiese oder ein junger Delfin dreht Pirouetten im Wasser. Diese Art von Spielen nennt man Solospiel und gehört in die unterste Stufe der Hierarchie. Diese scheinbar grundlose Bewegung fällt auch in die Kategorie des Spielverhaltens. 

Das Spielverhalten der Haustiere fällt meist in die mittlere Schicht der Hierarchie – das Spiel mit Objekten. Dieses kann man häufig beobachten, etwa wenn du deine Katze mit einem Wollknäul spielen siehst oder dein Hund einem Stock nachhechtet und ihn verbuddelt. 

Am komplexesten ist das soziale Spiel. Diese Spielweise findet man bei hochentwickelten Tieren. Das Tier spielt entweder mit der gleichen Tierart oder mit andere Nachbarsarten. Ein Hund und ein Wolf können problemlos miteinander spielen. Zwar haben sie unterschiedliche Kommunikationsmittel, doch Körpersignale wie «Stopp» werden von beiden verstanden. Das Tier wird nicht immer bei einer bestimmten Stufe bleiben. Bei Säugetieren lässt sich als Beispiel alle drei Stufen besonders gut beobachten, weil sich das Gehirn mit zunehmendem Alter weiterentwickelt.

Die Beispiele, die ich genannt habe, wirken sehr harmlos, aber hinter dem Spiel steckt eine lebenswichtige Fähigkeit. Denn durch diese harmlosen Spiele lernt das Tier, in einer bedrohlichen Situation wie etwa bei einer echten Verfolgungsjagd schnell und richtig zu handeln. Tiere bremsen sich im Spielen. Zum Beispiel beissen sie sich weniger fest zu, laufen langsamer oder lassen den Spielpartner gewinnen. So bleibt das Spiel ungefährlich und alle Beteiligten lernen die nötige Fähigkeit trotzdem. Dieser Lernprozess nennt sich Self-handicapping (auf Deutsch: bewusste Selbstbeschränkung).

Im Vergleich zu uns Menschen ist Self-handicapping nicht mehr überlebensnotwendig. Wir brauchen diese Fähigkeit nicht mehr für die Jagd oder Flucht und müssen eine Verfolgungsjagd auf Leben und Tod nicht simulieren. Dennoch ist das Spiel viel mehr als nur Freude: Es ist eine Brücke zwischen Leichtigkeit und Überleben.

 


 

Jiefu Liu  ist Schüler der Klasse 4i und Teil der Redaktion LGazette (SJ 25/26).